Bessamatic / Ultramatic
(Belichtungsautomatik)
Eine wichtige Neuheit der Ultramatic besteht darin, daß eine Belichtungsautomatik in Kombination mit Wechselobjektiven realisiert wurde. Diese Belichtungsautomatik ist als Blendenautomatik ausgeführt. Voigtländer bezeichnet sie kurz mit "A" wie Automatik. Heutzutage sind allerdings oft die Bezeichnung "s" (shutter priority) oder "Tv" (time value) gebräuchlich. Das "A" wird heute hingegen für die Zeitautomatik oder auch Blendenvorwahl (aperture value) verwendet. Wie jede gute Automatik ist diese auch bei der Ultramatic abschaltbar. Voigtländer empfahl jedoch dieses nur bei gespanntem Verschluß zu machen.
Um eine korrekte Funktion jeder Belichtungsautomatik zu gewährleisten ist selbstverständlich die vorherige Einstellung der entsprechenden Filmempfindlichkeit zur eingelegten Filmpatrone unabdingbar.
Ultramatic Automatik   

Wie die Bessamatic mißt auch die Ultramatic mit lichtempfindlichen Selenzellen. Der Meßbereich des Belichtungsmessers ist noch etwas geringer als bei der Bessamatic CS. Er reicht von 25 asb bis zu 50.000 asb (1 asb = 0,318 cd/m²). Mit dem erzeugten Strom der Selenzellen wird wie bei der Bessamatic ein Drehspulmeßwerk getrieben. Durch den geringen erzeugten Strom und das kleine Meßwerk können die Schärfentiefen-Zeiger an den Objektiven leider nicht verstellt werden. Bei Verwendung der Blendenautomatic steht also eine Anzeige der Schärfentiefe nicht zur Verfügung.
Die Belichtungsmessung ist, genau wie bei den Modellen der Bessamatic, für eine horizontale Ausrichtung der Kamera optimiert.
 

Belichtung einstellen

Will man die Blendenautomatik nutzen, muß zunächst der Blendenring soweit gedreht werden, bis das rote "A" mit dem roten Dreieck zur Deckung kommt. War vorher beim Verschluß "B" (Bulb für Langzeitbelichtung) eingestellt, wird automatisch der Ring für die Belichtungszeit mitgenommen und 1 sec eingerückt. Die Automatik kann nur mit automatisch ablaufenden Zeiten funktionieren.
Schauen wir jetzt in den Sucher, sehen wir ganz oben das rote "A". Darunter steht die Zahl für die eingestellte Belichtungszeit. Links im Sucher befindet sich ein Kreisbogen. Dort sind die Blenden 2 bis 22 verzeichnet. Der Zeiger steht jetzt über der Blende, die die Automatik für die entsprechenden Lichtverhältnisse zuschaltet.
Alle möglichen Blenden, die zur eingestellten Zeit passen erscheinen weiß. Steht der Zeiger im untern roten Bereich führt das zu einer Unterbelichtung, im oberen Bereich zu einer Überbelichtung.
Eingestellte Verlängerungsfaktoren für einen Filter werden automatisch mit berücksichtigt. Außerdem rückt bei eingeschobenem Verlängerungsfaktor ein kleiner Ring ein (Bild rechts, großer Pfeil). Dieser Kreis soll immer beim Blick in den Sucher daran erinnern, daß ein Verlängerungsfaktor noch eingestellt ist.
Ultramatic Sucher   

Einstellen ohne Blendenautomatik

Ist die Blendenautomatik ausgeschaltet (Blendenring auf eine Blende zwischen f/2 und f/22 gestellt), erscheint im oberen Feld des Suchers anstelle des "A" die Blendenzahl. Bei der Ultramatic hat man nun gleich zwei Möglichkeiten die richtige Zeit- Blendenkombination einzustellen.

Nachführung der Blende:
Wie bei der Bessamatic kann zuerst die Zeit eingerückt werden. Die Blende wird dann nachgeführt, bis die Angezeigte Blende oben über der Belichtungszeit auf denselben Wert eingestellt ist, wie die im Kreisbogen angezeigte.

Nachführung der Zeit:
Ebensogut ist es möglich als erstes die Blende, und somit die Schärfentiefe, festzulegen. Danach wird dann die Belichtungszeit so lange verändert, bis der Zeiger im Kreisbogen die gewählte Blende markiert.

 
Kennung der Objektive

Fräsung am Objektiv Für die Automatik ist es wichtig zu wissen welche Anfangsblende das augenblicklich angesetzte Objektiv mitbringt. Um dieses zu erkennen ist die Ultramatic vorne am Verschluß, unterhalb des Blendenschließers mit einem Abtaststift ausgerüstet. Mit diesem Abtaststift können vier verschiedene Anfangsblenden erkannt werden. Die Objektive sind dafür mit unterschiedlich tiefen Fräsungen versehen in denen sich der Stift ablegt.

 
Fühlstift
Pfeil: Fräsung an der ObjektivfassungPfeil: Abtaststift für die Anfangsblende
Dabei entsprechen 1,9mm Tiefe der Blende 2.0, für die Blende 2.8 stehen 1,2mm und bei 0,5mm Tiefe ermittelt die Ultramatic eine Anfangsblende 3.4. Keine Fräsung bedeutet dann eine Blende 4.0 oder höher.

 
Probleme bei Objektiven ohne Kennung

Die frühen Objektive der Bessamatic- / Ultramatic-Serie (Hergestellt 1958 / 1959) haben die oben beschriebene Fräsung noch nicht. Bei einem Color-Skopar X, einem Zoomar oder einem Skoparex ohne gelbe Punkt, also fehlender Vertiefung für den Abtaststift, erkennt die Ultramatic eine Anfangsblende von f/4.0. Die Belichtungsmessung der Kamera ist in diesem Fall begrenzt. Eine, der Lichtsituation angepaßte, Zeit- Blendenkombination für Blenden kleiner f/4.0 kann nicht angezeigt werden. Auch wenn sich manuell noch eine Blende bis f/2.8 einstellen läßt, ist für die Blendenautomatic bei f/4.0 Schluß.

Gleiches gilt für das Super-Dynarex 5,6/350mm (Das Dynarex 4,8/100mm vernachlässigen wir einmal). Hier geht die Automatik ebenfalls davon aus bis zu einer Blende 4 einstellen zu können obwohl das objektivseitig nicht möglich ist. Nutzt man dieses Objektiv trotzdem mit der Blendenautomatik ist ein wenig Aufmerksamkeit geboten. Es ist dann nämlich immer darauf zu achten, daß der Zeiger im Kreisbogen mindestens auf die Blende 5,6 zeigt.

 
Vorsicht geboten ist auch beim Fremdzubehör.

Kodierung WEB TelekonverterDem WEP Auto Kinotelex Telekonverter haben die Hersteller sogar eine Fräsung von 1,2mm, entsprechend einer Kennung für die Blende 2,8, mitgegeben. Ein eindeutiges Zeichen, daß sie die genialen Erfindung von Walter Swarofsky und die Bedeutung der Vertiefung nicht verstanden und sein Patent nicht gelesen hatten. Ausschließlich mit einem Objektiv, das eine Anfangsblende von f/1.4 mitbringt, wäre das zu erreichen und die Kennung richtig. Wie wir wissen war aber die größte Blende, die man mit dem Bessamaticsystem noch erreichen konnte, eine Blende f/2,0.
Da man den Telekonverter mit Objektiven unterschiedlicher Anfangsblende verwenden kann ist eine Kennung für den Konverter zudem auch noch völlig ohne Sinn.
Der Lichtverlust, den man mit dem Auto Kinotelex bekommt wird durch den Konverter automatisch berücksichtigt. Mechanisch ist er so konstruiert das man nur zwei Blenden weniger einstellen kann als die größte Blende des jeweiligen Objektivs. Bei manueller Bedienung der Kamera steht einer "richtigen" Belichtung deshalb nichts im Wege.
In der Automatik-Stellung hingegen werden die Ultramatic-Kameras immer davon ausgehen eine Blende bis f/2,8 einstellen zu können. Die Gefahr einer Unterbelichtung des Filmes ist also groß.

Das Emoprox Balgengerät wird dagegen (üblicherweise) mit einem Normalobjektiv Color-Skopar 2,8/50mm oder einem Septon 2,0/50mm benutzt. Da das Balgengerät eine Lichtwert-Korrektur von -1 erfordert, ergibt sich beim Skopar eine Anfangsblende von f/4.0, beim Septon sogar von nur f/2.8! Hier besteht also bei Verwendung der Blendenautomatic keine Gefahr einer möglichen Fehlbelichtung.

Die Kodak- oder andere Fremdobjektive haben auch keine Kennung, da ja die Patentrechte bei Voigtländer lagen. Hier gilt das gleiche, wie bereits oben bei den frühen Objektiven der Bessamatic- / Ultramatic-Serie beschrieben. Will man z. B. Kodak- Objektive mit einer größeren Blende als f/4.0 auch mit der Automatikfunktion der Ultramatc ohne Einschränkung benutzen, muß man die entsprechende Fräsung selber vornehmen (siehe auch: Anpassung für das Voigtländerbajonett).


Schauen wir uns Die Ultramatic noch etwas genauer an.