Bessamatic / Fotografieren
(Die Aufnahme)

Dieses ist ein Kapitel, welches sich eher an die "Handyfotografen" unter uns richtet. Die "alten Hasen" können es überspringen und gleich zum nächsten Kapitel Blitzen weitergehen.

Ob jemand "nur knipst" oder Bilder gestaltet möchte ich mir nicht anmaßen zu beurteilen. Das überlasse ich lieber anderen. Wenn mir hingegen jemand ein Foto zeigt und mich nach meiner Meinung fragt sage ich dann allerdings schon, was mir daran gefällt und was nicht. Sicherlich unumstritten ist aber das man sein Werkzeug kennen und beherrschen muß um zu guten Ergebnissen zu kommen. Der Ingenieur rechnet "blind" mit seinem Taschenrechner, der Chirurg überlegt nicht welches Instrument er als nächstes braucht, er weiß es und der Fotograf?
Jeder Profi kennt und beherrscht also sein Werkzeug aus dem "effeff". Für einen Amateurfotografen sollte das auch gelten. Vielleicht ist das einer der Faktoren, die einen Knipser vom Fotografen unterscheiden.
Das Beherrschen der Kamera ist besonders bei der Analogfotografie wichtig. Ein Digitalbild kostet nichts, eine analoge Aufnahme sehr wohl!
 

Braunschweig Altstadtmarkt 1959

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Profiaufnahme aus einem Voigtländer Werbeprospekt:
Braunschweiger Traditionsinsel, Gewandhaus am Altstadtmarkt

Üben

Zuerst beschaffen wir uns am besten eine Gebrauchsanweisung und lesen diese aufmerksam durch. Das klingt "uncool", ist es aber nicht. So manch eine "Kleinigkeit" mit echtem "AHA-Erlebnis" habe ich schon, nur durch das Lesen von Gebrauchsanweisungen, gehabt.

Dann kommen die Trockenübungen.

  • Den Schnellspannhebel mit dem Daumen flüssig und vollständig durchziehen, sodaß er nicht hängenbleibt.
  • Scharfstellen mit dem Schnittbildentfernungsmesser, vertikal und horizontal.
  • Scharfstellen mit dem Mattscheibenring.
  • Einstellen der Belichtung (hierbei die Kamera immer horizontal halten).
  • Wählen einer anderen Zeit- / Blendenkombination bei gleicher Belichtung.
  • Auslöser zügig durchdrücken aber nicht "reißen"!
  • Objektiv wechseln. Dabei die Kamera immer nach unten halten um Staubeinfall zu verhindern.
  • Bei der Aufnahme die Kamera immer mit beiden Händen halten. Auch das ist "cool". Verwackelte Bilder sind "uncool"!

Nachdem wir nun mit der Kamera einigermaßen vertraut sind, wird es langsam ernst.

 
Film einlegen

Die erste Aktion beim Einlegen eines Films sollte immer sein, das Einstellen der Filmempfindlichkeit! Ist die Filmpatrone erst einmal in der Kamera verschwunden und die Rückwand geschlossen, dann ist es oft schon zu spät. Die Gefahr des Vergessens der notwendigen Einstellung ist groß. Bei falsch eingestellter Empfindlichkeit des Films ist dann schnell der komplette Filmstreifen fehlbelichtet.

Dann den Bildzähler einstellen, um genau zu wissen wie viele Aufnahmen noch belichtet werden können. Es ist zwar nicht ganz so tragisch wenn dieser Schritt vergessen wird weil am Ende des Filmstreifens eine erneute Betätigung des Schnellspannhebels so schwergängig ist, daß dieses jeder mitbekommt. Schade ist es nur, wenn man ausgerechnet dann keinen Ersatzfilm eingepackt hat und noch weiter fotografieren wollte.

Aber jetzt, wir öffnen die Rückwand und ziehen den Rückspulknopf ganz heraus. Die Aufwickelspule drehen wir so, daß der Schlitz oben liegt und etwas nach rechts in Richtung des Scharniers der Rückwand zeigt. Jetzt fädeln wir das Filmende in diesen Schlitz. Man kann das Filmende vorher etwas umknicken, es geht aber auch gut ohne. Dann ziehen wir den Film über die Gleitbahn hinweg und legen ihn in die Filmkammer. Dabei ist darauf zu achten, daß die untere Perforierung des Films in den Zahnkranz der Transportwelle greift. Danach drücken wir den Rückspulknopf wieder vollständig hinein und spannen den Film etwas mit Hilfe der Aufwickelspule, bis er möglichst plan anliegt. Zum Schluß schließen wir die Kamerarückwand bis sie hörbar einrastet.

 
Aufnahmebereitschaft herstellen

Als erstes stecken wir den Objektivdeckel auf das Objektiv. Dann ziehen wir den Schnellaufzug einmal bis zum Anschlag durch. War der Rücklaufhebel noch auf "R" gestellt, geht dieser jetzt in seine Ausgangslage zurück. Dann betätigen wir den Auslöser und schwenken ein zweites Mal den Schnellspannhebel durch. Danach spannen wir den Film ein wenig mit dem Rückspulknopf bis wir etwas Wiederstand spüren. Jetzt lösen wir ein zweites Mal aus und betätigen den Schnellspannhebel. Dabei achten wir auf den Rückspulknopf. Dreht dieser sich beim Spannen mit, ist der Film richtig eingelegt und wird auch weitertransportiert. Zum Schluß den Schnellspannhebel und den Auslöser so lange betätigen, bis die "36" bzw. die "20" im Bildzähler angezeigt wird.
--- geschafft ---

 
Probeaufnahmen

Da wir ja keine Exif-Daten zu den Bildern bekommen, ist es sehr Hilfreich ein kleines Notizbüchlein mit auf die Fototour zu nehmen und sich die Daten der Kameraeinstellung jeder Aufnahme zu notieren.
Hier ein paar Bilder von Nah bis Fern:

Bild 1:

Bessamatic, Dynarex 1:3,4/90mm, Focar A + B, Blende 16 1/125sek,
frei Hand, Kodak Professional ELITE CHROME 200

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Bild 2:

Bessamatic CS, Zoomar 1:2,8/36mm-82mm, 82mm Blende 2,8 1/250sek,
Stativ, Kodak Professional PORTRA 160

Bild 3:

Ur-Bessamatic, Super-Dynarex 1:5,6/350mm, WEP Auto Kinotelex 2x, Blende 11 1/500sek,
Stative, FUJICHROME Sensia 400


Anmerkung zu Bild 1:


Aufgrund der kleinen Blendenöffnung war trotz der geringen Entfernung eine Aufnahme aus der Hand noch realisierbar.

Anmerkung zu Bild 2:

Eine Aufnahme ab Stativ eröffnet größere fotografische Freiheiten und ist einer Freihandaufnahme immer vorzuziehen.

Anmerkung zu Bild 3:

Der Aufbau war alleine mit einem Stativ nicht zu stabilisieren. Mit einem weiteren habe ich das Teleobjektiv an der Gegenlichtblende zusätzlich unterstützt. So war eine verwackelungsfreie Aufnahme mit 700mm Brennweite möglich. Die Entfernung zum Motiv beträgt ca. 500m.

 
Film entnehmen

Zur Entnahme des Films muß dieser erst einmal zurückgespult werden. Dazu stellen wir den Rücklaufhebel auf "R" und ziehen den Rückspulknopf etwas heraus. Jetzt drehen wir den Rückspulknopf so lange in Pfeilrichtung bis die Rautenmarke wieder im Fenster des Bildzählwerkes erscheint. Erst jetzt darf die Rückwand geöffnet werden. Durch ein weiteres Herausziehen des Rückspulknopfs wird nun die Filmpatrone freigegeben und kann entnommen werden.

Ist nach der letzten Aufnahme ein komplettes Durchschwenken des Schnellspannhebels nicht mehr möglich gewesen, da der Filmstreifen für eine weitere Aufnahme bereits zu kurz war, ist die Kamera zunächst blockiert. Dieses kleine Problem beheben wir, indem der Rücklaufhebel bereits jetzt auf "R" gestellt wird. Dann läßt sich die Kamera auch wieder "spannen" und der Film zurückspulen. Auf keinen Fall sollte man den Schnellspannhebel mit Gewalt durchziehen. Das Ende des belichteten Filmstreifens könnte dadurch aus der Patrone gerissen oder die Perforation derart beschädigt werden, daß ein Rückspulen nicht mehr möglich ist. Will man die Aufnahmen nicht verlieren, kann der Film dann nur noch in der Dunkelkammer entnommen werden!


Good luck and have fun.


 
Gleich noch etwas über das Blitzen mit der Bessamatic.